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Eine Studienfahrt nach den Niederlanden  

Ein Bericht von Henry Moltran

Am 27.September morgens 6.30 Uhr holte Uwe Wehde mich mit dem Auto ab. In der Kieler Straße stieg Günther Westphal zu. An der Ausfahrt Bahrenfeld trafen wir den zweiten Wagen mit Rainer Droege, Hans Dommes und Jürgen Hinrichsen. Die Fahrt ging weiter über Bremen, Oldenburg und Leer. An der Grenze Nieuwe Schanz haben wir eine kleine Rast eingelegt. Kein Zöllner weit und breit zu sehen. Weiter ging’s über Groningen, Leeuwarden, Sneek und über den Abschlussdamm vom Ijsselmeer bis Medemblik, unserem Zielort. In der Pension „Singelzicht“ empfing uns Frau Bot sehr herzlich. Sie zeigte uns die drei Zimmer im ersten Stock. Es war bereits 13 Uhr, Mittagszeit. Einer moserte schon, er hätte Hunger (ach, das war ich ja selbst!). Heute gab es Pannekoeken im Lokal nebenan, das schmeckte gut. Wir wollten noch das Stoommachin-Museum in der Nähe besuchen, da standen große und kleine Dampfmaschinen voll in Betrieb. Das Museum ist in der ehemaligen Dampfpumpenstation aus dem Jahre 1869 untergebracht. Es steht unter anderen noch die Originalmaschine, die auch noch angeheizt wird. Ein Raum ist extra für die kleinen Besucher reserviert. Dort können sie unter Anleitung vom Personal mit Dampfmodellen selbst experimentieren.

Am 28.09. war ein Besuch im Scheepvaartmuseum in Amsterdam auf dem Zettel. Um 6 Uhr war allgemeines Wecken, Waschen und ein gutes Frühstück. Mit dem Auto in die Kleinstadt Hoorn und mit dem Zug eine halbe Stunde nach Amsterdam. Wir kamen viel zu früh dort an, die Geschäfte waren noch zu. Im ehemaligen Flottenarsenal der „Vereenigte Oostasiatische Compagnie“ (VOC) mit zwei Etagen Ausstellungsflächen konnten wir nur staunen. Ich war so versunken in der Halle und merkte gar nicht, dass auf einmal alle weg waren. Im letzten Moment sah ich noch Hans um die Ecke gehen. Nun aber schnell hinterher, es ging ein paar Stufen abwärts, natürlich in einen Modellbauladen. Was der Inhaber wohl gedacht hat, auf einmal sechs Männer in seinem Laden zu haben. Die Auswahl war aber auch sehr umfangreich, und es wurde gekauft.

Im Innenhof standen noch Kanonen auf Lafetten, wie sie an Bord standen sowie eine Königsschaluppe mit Gold verziert, keine Nachbildung sondern ein Original! Eine Buchhandlung war auch vorhanden, allerdings nur mit Literatur in niederländischer Sprache. An einer Seite stand eine Schleppjacht mit Bootshaken und Tauwerk, als wollte sie gleich auslaufen und einen Kahn abholen.

Nun in die erste Etage: Schifffahrt im 17. und 18. Jahrhundert, endlich etwas für mich. Die Modelle von der VOC waren eine Wucht für sich und die alten Bilder einfach Spitze, u.a. die „Seeschlacht von Gibraltar“ oder den „Einzug der Senatoren“. Die zweite Etage „Schifffahrt im 19. und 20. Jahrhundert“. Ein Diorama einer Werft mit drei Schiffen aus Holz, so fein ausgearbeitet. Auf der ersten Helling lag eine Brigantine fertig zum Stapellauf, nur der Maler war noch dabei, die letzten Striche zu pönen. Die Kiellegung auf der zweiten war schon vollzogen. Und auf der dritten hatten die Schiffszimmerleute gerade ein Plattbodenschiff raufgeholt. Ich kam mir vor wie auf meiner ehemaligen Werft. Moderne Dampfer, u.a. das Motorschiff „Willem Ruys“ sowie Holzmodelle von Frachtseglern und Sportbooten, viele Typen. Ich habe 20 Bilder abgeknipst, und alle sind was geworden.

Meine Füße wurden immer runder, nun aber runter ins Erdgeschoss, dort gab es ein Restaurant. Draußen am Anleger dümpelte das VOC-Schiff „Amsterdam“ in Originalgröße. Da mussten wir auch hin. Das Originalschiff ist auf der ersten Fahrt gen Asien auf einer Sandbank vor der englischen Küste gestrandet. Schade um das schöne Schiff. An Bord des Nachbaues waren kostümierte Akteure, die uns das Leben an Bord im 17. Jahrhundert darstellten. Die Decks sind so niedrig, nur in gebückter Haltung konnten wir da gehen. Wie die Seeleute da wohl monatelang gelebt und gekämpft haben. Nun wieder zurück nach Medemblik, es war genug der Lauferei.

Der dritte Tag, wieder um 6 Uhr hoch, um 7 Uhr Frühstück und Taschen packen, von Familie Bot Abschied nahmen. In Hoorn haben wir dann noch das Westfriesische Museum besucht. Das Museum ist untergebracht im Staatenkollegium aus dem Jahre 1632. Auch hier Schiffsmodelle, alte Instrumente zum Navigieren und Gebrauchsgegenstände aus dem 17. bis 19. Jahrhundert sowie Geschenke der Seeleute, die in ihrer spärlichen Freizeit die Schiffe nachgebaut haben, auf denen sie gefahren sind. Im antiken Garten sind sehr hübsche Statuen ausgestellt, die aus fremden Ländern mitgebracht wurden.

Nun konnten wir uns noch der Stadt aus dem 13. Jahrhundert widmen. Es war damals die Hauptstadt Westfrieslands. Zahlreiche historische Gebäude sind noch vorhanden und alles sehr sauber.

Nun möchte ich meinen Bericht beenden und auch Uwe Wehde danken für das Ausarbeiten der Drei-Tages-Fahrt. Ich war voll begeistert.

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Henry Moltran

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